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Sex und Gewalt (Dienste am Nachsten: ''Marble Ass'' aus Serbien) |
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by Simone Mahrenholz
in Tagesspiegel, 17.02.1995.
Sex and Crime and Rock'n Roll aus Serbien. Klarer Fall eigentlich, daß Erotik
hier kaum anders als mit Waffen im Bild abgeht, als tödliches oder
lebensspendendes Spiel zweier Körper, die sich mit Messern befuchteln
und die ihre Frühstückseier mit dem Revolverkolben aufschlagen:
Der Liebesakt ist eine gewaltsam-spielerische Choreographie schöner
Körper. Körper gilt es umzuinterpretieren: Männer sind
hier wieder einmal die besseren Frauen, mit schmalen Hüften, zellulitisfreier
Haut und - Marmorarsch.
Regisseur Zelimir Zilnik, Jahrgang 42 und schon 1969 mit einem Preis auf der
Berlinale vertreten, widmet seinen Film unter anderem den Transvestiten der
Prostituiertenszene in Belgrad. Die zweiten Widmungstrager des Films sind die
aud dem Krieg nach Hause kommended verwirrten jungen Soldaten, kleinkriminelle
Propaganda-Opfer, die die veranderte Umgebung und sich selbst nicht mehr verstehen.
Ihr Sinn fur Verantwortung lasst die beiden Freunde Sanella (Nenad Milenkovic)
und Merlin (Vjeran Miladinovic) ihre Energie als Huren entfalten, vor allem
mit jungen Serben: personlicher Beitrag zur Bebriedung des Balkans. Das gibt
Gelegenheit im Film fur einige groteske physische Auseinandersetzungen, weierhin
fur Abzocken Unschuldiger durch Billiardspielen, endlose Wortwechsel, in denen
die Dinge der Welt restfrei geklart werden, und die Musik der Belgrader Gruppe
Love Hunters, deren Leadsanger das Stuck ''Love is Hell'' zu einem musikalischen
Seelenbekenntnis uber die Situation im heutigen Belgrad macht: einer der besten
Bestandteile dieses spielerischen Streifens. Spielerisch eben: war einen nach
den Regeln der Zunft gedrehten Kunstfilm erwartet, kann ihn vergessen. Er ist
eher Ausdruck von Leben: eine ironisch-zartliche Parteinahme fur die Verlierer. |