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n Kriegszeiten gerät die Normalität oft zur Perversion |
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by Ljljana Nikolic
©Berliner Morgenpost 1997
Sanela hat Beine, die in den Himmel ragen. Im Nachtclub, in dem sie
arbeitet, kleben die Männerblicke wie Trauben an ihr. Sanela ist
ein Transvestit, und das wäre nichts besonderes, wäre der Ort
des Geschehens nicht der patriarchalische Balkan.
Im Gegensatz zu Kroatien tobt der Krieg in Serbien nicht. Dort geht die Moral
darnieder, Kriminalität und Anarchie gehören zum Alltag wie anderswo
eine Tageszeitung. In dieser verrückten Zeit findet in Belgrad eine verpönte
Randgruppe zu Selbstbewußtsein - die Tunten.
"Marble Ass" ist ein Film über zwei Männer, die sich als Prostituierte
durchs Belgrader Leben schlängeln und sich dabei wohlfühlen. Es ist
ein Film über Johnny, der an die Front geht, wiederkehrt, und sich nicht
mehr wohlfühlen kann. Regisseur Zelimir Zilnik gelingt es, die Transvestiten
viel natürlicher erscheinen zu lassen als die deformierten Kriegerseelen.
Zilniks so humorvoller wie bedrückender Film, eine Videoproduktion des
unabhängigen Belgrader Radiosenders B92, lief bereits 1995 im Berlinale-Programm.
Im Vorprogramm ist ein Film Zilniks über die Belgrader Demonstrationen
im Dezember 1996 zu sehen, außerdem ein Kurzfilm über das Engagement
für den durch Repressalien bedrohten Sender. |